Berlin-Schönefeld, 28.05.2009
Neben der gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen der Tischler-Innung Berlin und der IMW e.V. zur Unterstützung der Innungsbetriebe in Fragen des Riskmanagements sowie zur Prophylaxe-Analyse, ist es bereits zur Tradition geworden, daß die IMW e.V. zweimal pro Jahr die Mitglieder der Tischler-Innung Berlin auch zu Veranstaltungen zu überbetrieblichen Themen einlädt.
So hatten die Mitgliedsbetriebe der Tischler-Innung Berlin Ende Mai die Möglichkeit, an der Betriebsbesichtigung des Unternehmens „Lufthansa Bombardier Aviation Services GmbH“ (LBAS) am Standort Schönefeld teilzunehmen.
Andreas Kaden, Geschäftsführer der LBAS, begrüßte den Teilnehmerkreis und gab zunächst einen Überblick zum Engagement des Aviation Konzerns Lufthansa in Berlin und Brandenburg. Mit ca. 3.500 Arbeitsplätzen ist Lufthansa ein bedeutender Arbeitgeber der Region BB. In den letzten Jahren erfolgten umfangreiche Investitionen zur Entwicklung des Luftfahrtstandortes Berlin-Brandenburg.
Mit 140 Mitarbeitern am Firmensitz Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) ist die Lufthansa Bombardier Aviation Services GmbH ein mittelständisches Unternehmen. Im Jahre 1997 wurde LBAS durch ein Joint Venture von Lufthansa Technik und Bombardier Aerospace mit 17 Angestellten gegründet. Im Jahr 2005 beteiligte sich ExecuJet an LBAS. Seit der Gründung belegt LBAS erfolgreich das Geschäftsfeld der Instandhaltung und Wartung von Geschäftsreiseflugzeugen. Dazu zählt auch die Wartung der hochwertigen Kabinen-Innenausstattungen.
Der Geschäftsflugverkehr ist seit den neunziger Jahren überproportional, mit einem kurzen Einbruch in den Jahren um 2002, angestiegen. Der Einsatz von Business-Jets ist für Geschäftsreisende insofern von Vorteil, da sich erhebliche Kosten- und Zeitersparnispotenziale ergeben. So können beispielsweise Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, ohne zusätzliche Anschlussfahrten zu planen, umgesetzt werden. Im Vergleich zum Linienverkehr sind die Abfertigungszeiten um ein Vielfaches kürzer, denn die Abflugzeit des Flugzeuges richtet sich nach der Ankunft des Geschäftsreisenden am Flughafen. Höhere Fluggeschwindigkeiten erlauben eine kürzere Reise von A nach B. Dies wird durch eine Reiseflughöhe von Business-Fliegern, die über der des Linienverkehrs liegt, ermöglicht.
Im Hangar erklärte Herr Kaden die Arbeitsabläufe und die strengen Sicherheitsbestimmungen. Hier konnte man die technischen Dienstleistungen an Business-Flugzeugen, wie z.B. Motor-Wartung und -inspektion, hautnah erleben. So wurde gezeigt, wie am Boden die Geschwindigkeits- und Höhenanzeigen simuliert und gemessen werden.
Die Kabinenreinigung und Aufbereitung der Innenraumausstattung, z.B. von hochwertigen Lederpolstern und Holzoberflächen, übernehmen die LBAS-Partner OHS Aircraft Service und die Yacht- und Aircraft Service Bubeck GmbH.
Für das Interieur dürfen nur geprüfte und speziell für die Luftfahrt erlaubte Werkstoffe verwendet werden. In den Werkstätten der Firma Bubeck wurden verschiedene Furniere und deren Aufbereitungsarbeiten gezeigt, so auch hochwertige Intarsienarbeiten, deren Design im Lederbezug der Sitze aufgenommen wurde. Bei aller Vorsicht können Kratzer und Risse, Farbunterschiede auf den Holzoberflächen der Kabinenausstattungen entstehen, da die eingesetzten Hölzer und Lacke extremen Temperatur-, Feuchte- und Druckverhältnissen ausgesetzt sind.
In diesem Bereich werden stets qualifizierte Tischlerbetriebe als Unterauftragnehmer benötigt. Die notwendigen Luftfahrttechnischen Qualitätssicherungs- und Genehmigungsverfahren übernehmen die zugelassenen Firmen Bubeck bzw. OHS. Ausdrücklich ermuntert wurden auch im Bereich der Luftfahrt noch nicht erfahrene Betriebe in Kontakt zu treten, wenn sie interessiert sind, in diesem Bereich tätig zu werden.
Vorerfahrungen, z.B. im Yachtbau und hochwertigem Wohnraum-Ausbau, wären allerdings sicher von Vorteil.
Fragen aus dem Teilnehmerkreis:
„Was bedeutet die Abkürzung GAT?“
„General Aviation Terminal.“
„Herr Kaden, Sie verantworten einen Geschäftsbereich, der hohe Risiken trägt. Das Thema Produkthaftung spielt doch sicher, wie bei Tischler-Betrieben nur in anderen Dimensionen, eine wichtige Rolle.“
„Richtig. Hier haben wir hohe Haftungsrisiken. Im Lufthansa Konzern wird daher großer Wert auf ein konsequentes Riskmanagement gelegt. Diese Risiken werden von Fachkräften analysiert und bewertet. Die Produkthaftung sollte, auch von kleinen und mittleren Unternehmen, ernst genommen und überprüft werden. Unvermeidbare Risiken sollten zumindest ausreichend versichert werden, in unserem Bereich sogar ein unabwendbares Muss zur Erlangung der verschiedenen Zulassungen.“
„Welche Anforderungen stellen Sie an Ihr Personal?“
„Alle Mitarbeiter haben eine hohe Grund-Qualifikation nach Vorschriften der Europäischen Luftsicherheitsagentur. Die typenbezogene Ausbildung erfolgt an den Standorten von Bombardier in Dallas und Montreal. Auch müssen regelmäßig bestimmte Zertifikate erneuert werden. Da die Handbücher in englischer Sprache verfasst sind sowie die einzelnen Arbeitsschritte in Englisch schriftlich dargelegt werden müssen, verlangen wir als Zweitsprache Englisch in Wort und Schrift.
Hohe Einsatzbereitschaft ist ebenso gefragt: Wir sind 7 Tage die Woche und 24 Stunden für unsere Kunden da.“
„In den Mitgliedsbetrieben der Tischler-Innung empfehlen wir Vorkasse, um böse Überraschungen zu vermeiden. Die Zahlungsmoral ist leider nicht die beste.“
„Hierzu kann ich nur sagen: Cash ist King. Wir haben in den letzten Jahren rigoros auf Vorkasse umgestellt. Erst nach Zahlungseingang des Rechnungsbetrages beginnen die Techniker mit den Instandhaltungsarbeiten. So ersparen wir uns unnötige Dissonanzen. Auch gebe ich diese Empfehlung gern weiter. Sie wissen alle, daß bei Bankgesprächen auch das Forderungsmanagement beurteilt wird. Hier können Sie punkten.“
„Ein hoher Warenbestand bindet Kapital. Wie gehen Sie hier vor?“
„Wir arbeiten nach dem Just-In-Time-Prinzip, zumindest bei den teuren Teilen. Die Ersatzteilversorgung erfolgt auf Abruf. Eigens hierfür haben wir ein Logistiksystem entwickelt, so daß die Techniker auf Monitoren verfolgen können, wann welches Teil geliefert wird. Das spart Zeit und Kosten. Dennoch haben wir einen Versorgungsgrad von über 90% aller Materialanforderungen direkt aus unserem Lager. Wir haben nach einer konsequenten Untersuchung der Zuführungszeiten und Bedarfshäufigkeiten den Materialbestand aber systematisch angepasst.“
Das war ein interessanter Ausflug, ein „event“ direkt vor der Haustür. Und die Moral von der Geschichte? Selbst wo sehr viel Geld im Umlauf ist, – so eine Maschine kostet mal eben € 30 Mio. oder auch mehr und die Wartungen können schnell im fünf- oder sechsstelligen Bereich liegen-, wird mit Rechnungen und Überweisungen jongliert, daß es eine wahre Pracht ist.
Wie sich doch die Probleme gleichen, – bei uns auf einem etwas niedrigeren Niveau, so Peter Wilms-Posen, GF Tischler-Innung Berlin.
